Sie sind hier:

Terminübersicht

"Wertevermittlung als Fundament"

Rundgang

Ereignisse im Schuljahr

Gesund macht Schule

Das neue Schuljahr

Allgemein:

Startseite

Haftungsausschluss

Letzte Änderung

Sitemap

Kontakt

Impressum

Reportage: heinsberg aktuell.de

Elvira Tholen und eine Schulstunde mit Empathie und Glaubensstärke

von Guenter Kleinen

Wassenberg-Orsbeck.- Eine außergewöhnliche Einladung: Ich soll Montagmorgen um 8 Uhr pünktlich am Eingangstor der Martinusschule in Orsbeck sein. Hier handelt es sich um eine katholische Grundschule. Ich bin pünktlich und werde zum Eingang des Multifunktionsraums begleitet, der wie eine kleine Turnhalle vom Schulhof aus zu erreichen ist. Drinnen „tobt der Bär“. Wie ich später erfahre, haben sich 137 Kinder in dem Raum versammelt und füllen ihn bis an den Rand aus. Ich trete ein und werde gar nicht wahrgenommen. Die Kinder sitzen in mehreren Reihen im Kreis um einen Mittelpunkt, in dem eine bunte Decke, Tücher und einige Gegenstände liegen. Davon nehmen die Kleinen aber keine Notiz. Stattdessen lautes Stimmengewirr. Die Kleinsten sitzen quieckend in der Mitte, drum herum das zweite, dritte, vierte Schuljahr. – Unbemerkt tritt Elvira Tholen in den Raum, bleibt am Rand, setzt sich auf einen Stuhl. Sie kramt in einer Tasche, holt ein Buch hervor und nimmt sich eine Gitarre. Die Kinder toben lautstark weiter. Die Schulleiterin nimmt ihrerseits scheinbar keine Notiz von den Kindern und schlägt leise, kaum hörbar, einige Akkorde auf ihrer akustischen Gitarre an. Ich traue meinen Ohren nicht: Zuerst unmerklich, dann wahrnehmbar – wird es leiser im Raum. Die ersten Kinderstimmen singen mit. Dann immer mehr. Sie kennen das Lied: „Jeder Tag hat eine Mitte.“ Je mehr Kinder mitsingen, desto lauter singen sie. Der Raum ist jetzt erfüllt von über hundert Kinderstimmen, die begeistert den Liedtext mitsingen. Ich spüre, hier passiert etwas Unglaubliches. - Als das erste Lied zu Ende ist, stimmt Elvira sogleich das zweite an. Auch dieses Lied kennen die Kinder und stimmen spontan ein. Ich sehe in Gesichter, die vor Freude strahlen. Kinder, die vor Begeisterung hüpfen. Elvira hat sie erreicht. Nach dem dritten Lied legt sie die Gitarre weg. Die Kinder schauen sie erwartungsvoll an: Sie wissen was jetzt kommt. Die Schulleiterin hat eine Geschichte mitgebracht. Heute ist es die Geschichte vom Prinz Seltsam. Mit leiser Stimme beginnt Elvira vorzulesen. Und über hundert Kinder lauschen wie gebannt den Worten. Es ist eine kleine rührende Familiengeschichte von einem außergewöhnlichen, behinderten Kind. Utensilien zu dieser Geschichte liegen im Mittelpunkt des Raumes, um den die Kinder herum sitzen. Erst jetzt schauen sie immer wieder dorthin. Die Schulleiterin weiß, „Kinder brauchen eine Mitte. – Wir alle müssen in der Mitte sein, dann sind wir ok. Dann richtet sich der Fokus nicht mehr auf das Außen, sondern es können Bilder im Inneren entstehen, die – wie jetzt hier – durch die Geschichten geweckt werden.“ –

Ich erlebe Faszination. Nie habe ich so viele Kinder, so aufmerksam erlebt, wie an diesem Morgen in der Orsbecker Schule. Drei weitere Pädagoginnen sind ebenfalls anwesend, ich sehe in ihre beeindruckten Gesichter. Obwohl sie diese Zeremonie kennen, erreicht sie der offensichtliche „Zauber“, der diesem Erlebnis innewohnt. Mit ruhiger, fast leiser Stimme, macht Elvira Tholen weiter. Sie stimmt noch mehr Lieder an, die Kinder singen mit. Allmählich wird es lebhafter, wohl um die Kinder aus der fast meditativen Stimmung auf den weiteren Tag einzustimmen. „Wenn Du glücklich bist, dann ruf mal laut Hurra!“ – Das Hurra der Grundschulkinder dürfte ganz Orsbeck aufgeweckt haben. Die Stunde geht zu Ende. Ein Blick in Elvira Tholen’s Gesicht verrät: „Das ist es, was sie selbst fasziniert. Diese Art der Wertevermittlung stellt die Pädagogin gleichberechtigt neben die Wissensvermittlung. „Ich möchte den Kindern beim morgendlichen Singen Werte wie „Mutig sein“, „Verschiedenartigkeit tolerieren“, „die Schöpfung achten“ nahe bringen. Dabei erfahren die Kinder ihre eigene Mitte. Und religiöse Bilder sind dabei die Basis für Nächstenliebe und Verantwortung.